Platzgen, Kanton Bern, Ries, Platzge, Verband

 

 


 

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  Das Platzgen im Kanton Bern
 
  Vorwort
 
 

Platzgen ist eine mit Tradition verbundene Sportart, die auf den ersten Blick typisch schweizerisch anmuten mag. Bei genauerem Betrachten stellt man aber fest, dass weltweit auffallend viele solcher Spiele betrieben werden. Bei meinen Recherchen habe ich festgestellt, dass es keinen Kontinent gibt, auf dem diese Wurfsportart nicht in irgendeiner Form betrieben wird.

In den Vereinigten Staaten von Amerika existieren beispielsweise mit der „National Horseshoe Pitchers Association“ (NHPA) und der „United States Quoiting Association“ (USQA) gleich zwei Verbände, unter derer Obhut insgesamt weit über 20'000 lizenzierte Spieler organisiert sind.

Im Gegensatz zu den Schweizer Platzgern ist es den Amerikanern gelungen, aus diesem ursprünglichen Freizeitvergnügen  eine  Sportart von grosser Bedeutung hervor zu bringen. Auf dem Kontinent der unbegrenzten Möglichkeiten finden regelmässig Weltmeisterschaften und sonstige Grossanlässe statt.

Der Ursprung des Platzgens ist offensichtlich in der Schweiz zu suchen, denn gemäss zahlreichen Einträgen in Chroniken wurde dieses Spiele bereits vor ein paar Hundert Jahren im ganzen Land betrieben.

Trotz des mutmasslich helvetischen Ursprungs gelang es den Eidgenossen leider nie, dieses urschweizerische Freizeitvergnügen so zu fördern, dass eine Sportart mit Nationaler Bedeutung daraus geworden wäre.

Ganz im Gegenteil, die Platzger kämpfen heute mehr denn je um Nachwuchs und Akzeptanz in der Öffentlichkeit.

  Einleitung
 
 

Neben den Urkundlich erwähnten Ortschaften Brienz, Ringgenberg, Schwarzenburg, Bern, Niederbipp, Münchenbuchsee, Uetendorf, Guttannen und anderen Orten im Emmental, begannen sich seit der Jahrhundertwende, insbesondere in den 20iger Jahren, weitere Ortschaften in der Umgebung von Bern und Thun eifrig mit dem Stöcklen und Platzgen zu beschäftigt.

Es wurden die ersten Klubs gegründet, die untereinander Wettspiele austrugen. Das erste, von mehreren Platzgerklubs besuchte Fest war das Frühlingsfest im Jahre 1932 in Ostermundigen. Ganze Sektionen haben dabei auf Kommando geworfen.
 

 

 

Früher wie heute, wurde diese Sportart abseits des grossen Rummels betrieben. Oft genügte eine
kleine Lichtung im Wald oder ein freies Feld am Waldrand, um diesem Hobby zu frönen.

  Gründung des Verbandes
 
 

Kurz nach der Gründung der ersten Klubs, am 16. April 1932, kamen die Vertreter dieser Vereine zusammen, um die Gründung eines "Vereinigten Platzgerklub Bern und Umgebung" zu besprechen.
 

 

Bereits zehn Monate später trafen sich am 5. Februar 1933 im Restaurant Tiefenau in Bern folgende Klubs, um den heutigen Kantonal- Bernischen Platzgerverband zu gründen:
Bümpliz-Rehag, Bümpliz-Könizberg, Deisswil-Stettlen, Felsenau, Schönbühl, Zollikofen und Ostermundigen. Als Tagespräsident wurde Rudolf Hänni aus Bümpliz bestimmt und als Sekretär amtierte A. Saner aus Deisswil.
 

 

An dieser Gründungsversammlung wird unter Anderem beschlossen, dass das erste Verbandsfest durch den Klub Bümpliz-Könizberg organisiert wird. 10 Schuss hat jedes Mitglied zu werfen. Die drei besten Klubs sollen einen Becher erhalten.

An einer weiteren Zusammenkunft der Klubvertreter (Präsidentenkonferenz) wird der Zentralvorstand wie folgt zusammengestellt: Präsident: Rudolf Hänni (Bümpliz), Sekretär: Bräuchi (Könizberg), Kassier: Hans Schmid (Ostermundigen) und Beisitzer: Hans D'Incau (Deisswil) und Fritz Schweizer (Bümpliz).

Der ZV wird ersucht, auf die nächste Delegiertenversammlung Statuten auszuarbeiten. Mit Steingrüebli und Bethlehem sind im Gründungsjahr zwei weitere Klubs zum Verband gestossen. Deshalb soll die Anzahl der Sektionsbecher von drei auf fünf erhöht werden.

Zu den ersten Festen in Zollikofen und Deisswil marschierten die Platzgerklubs mit Tambouren auf. Ostermundigen sogar mit Fahne. Nach dem Mittag erfolgte jeweils der Umzug, an dem sich alle Klubs beteiligen mussten. Die fehlenden Sektionen wurden mit einem Punkteabzug bestraft. Das Ganze wurde zu einem richtigen Volksfest aufgezogen. Schon bald einmal musste aber der Umzug aus Zeitmangel ausbleiben.

Die grösste Sektion, die jemals an einem Fest teilgenommen hat, war Ostermundigen-Stadt mit total 26 Mann, die sich in zwei Gruppen teilten. Leider ist dieser Klub schon vor vielen Jahren wieder aufgelöst worden.

Nach einigen Jahren sind dann 1946 die Unterverbände Emmental-Oberaargau, Mittelland und Oberland gegründet worden

 

 

Jeder dieser vier Verbände hatte seine eigene, statuarisch festgelegte Struktur. Ebenso führte jeder Verband sein alljährliches Verbandsfest durch.

Leider wird der Platzgersport in der Schweiz nur im Kanton Bern wettkampfmässig betrieben. Biberist ist der einzige Klub, der ausserhalb der bernischen Kantonsgrenze liegt. Mangels anderer Möglichkeiten wurde dieser Klub auch dem Kantonal- Bernischen Platzgerverband angeschlossen.

Es wird noch Jahre dauern – wenn überhaupt - bis einmal ein "Eidgenössisches" oder eine Schweizermeisterschaft durchgeführt werden kann. Denn um einen schweizerischen Platzgerverband zu gründen, sind mindestens fünf Kantonalverbände mit jeweils fünf Klubs erforderlich.

Aus Gründen des akutem Mitgliederschwundes sind die Teilverbände Mittelland, Oberland und Emmental-Oberaargau am 2. Februar 2008 wieder zu einem einheitlichen Verband, dem „platzgerverband.ch“ verschmolzen worden.  Mit dieser Massnahme will man die Administration und die Anzahl an Ehrenämtern reduzieren.

Es besteht bei einigen Platzgern, ob zu Recht oder zu Unrecht, die Angst, dass traditionelle Werte verloren gehen oder dass  regionale Interessen zu kurz kommen könnten.

Eine Bereinigung der veralteten Verbandsstrukturen war so oder so dringend von Nöten, wollte man nicht Gefahr laufen, dass in einigen Jahren der Platzgersport ganz in Vergessenheit gerät und - zumindest in der Schweiz – wieder von der Bildfläche verschwindet.

Es darf also weiter von einem „Eidgenössischen“ geträumt werden. Im „platzgerverband.ch“ werden keine Anstrengungen gescheut um zu wachsen und auch die Regionen mit ihren Eigenheiten sollen in neuen Verband entsprechen vertreten sein.
 

 


 
 
© Christian Zimmermann